5 Gründe, warum immer mehr Trainer*innen modernes Hundetraining bevorzugen und wie du davon profitieren kannst

Zwischen Dominanztheorien, Würstchenwerfer*innen und “Erziehungshalsbändern” kannst du schnell den Durchblick verlieren, wie die richtige Erziehung des Hundes funktioniert. Jedes Lager behauptet von sich selbst, die perfekte Lösung zu haben und stellt andere Parteien gern ins schlechte Licht.

Warum wechseln also immer mehr Hundetrainer*innen und Hundehalter*innen zu modernem Hundetraining?

1. Niemand möchte seinen Hund gern schlagen

Der Leinenruck, das Anschreien oder der Kniff in die Seite fühlen sich weder für dich noch für deinen Hund gut an. Die Liebe, die du für deinen Hund empfindest, hält dich von gewaltsamen Methoden ab und du merkst, dass dein Hund Dir misstraut, wenn du ihm Schmerzen zufügst.

2. Dominanz und Rudelverhalten funktionieren nicht

Auch wenn du dich als Rudelführer*in zu etablieren versuchst, indem du deinen Hund regelmäßig auf den Rücken legst, ihm sein Essen wegnimmst und immer mal wieder so lange anstarrst, bis er wegguckt, tritt trotzdem nicht das gewünschte Verhalten ein. Dein Hund kann diese Handlungen nicht damit verknüpfen, dass er dich nicht anspringen, andere Hunde nicht anbellen oder den Katzenhaufen am Wegesrand nicht fressen soll. Und mal ganz ehrlich: Würdest du dir bei diesen gewaltsamen “Dominanzgesten” nicht total merkwürdig vorkommen?

Lesetipp: So lernt dein Hund

3. Du hast nicht genug Kraft, deinen Hund zu “dominieren”

Falls Du körperlich eingeschränkt bist oder einen Hund über 15 kg hast, wirst du gemerkt haben, dass du deine körperliche Überlegenheit nicht ausspielen kannst. Du musst andere Wege finden, damit dein Hund mit dir kooperiert. Auch ein 15 kg-Hund, der ständig in die Leine springt, kann für starke Rückenschmerzen bei dir sorgen. Außerdem bezeichnen die meisten Menschen ihren Hund als Familienmitglied. Somit sollte klar sein: Ein körperliches “in die Schranken Weisen” ist eine unangemessene Erziehungsmethode!

4. Dein Hund versteht das Konzept von “gut und böse” nicht

Dein Hund kann verstehen, dass auf sein Verhalten etwas für ihn angenehmes oder unangenehmes folgt. Dementsprechend wird er das Verhalten öfter oder seltener zeigen, wenn eine Verknüpfung stattgefunden hat: Verhalten → Folge

Deshalb wird auch der 95. Leinenruck nichts bringen, wenn er gelernt hat, dass man mit Bellen oder Beißen wunderbar andere Hunde verjagen kann, die ihm unangenehm sind.

5. Vorsorgen ist besser als Heilen

Du kannst deinem Hund nicht erklären, warum er manchmal bitte ganz aufmerksam sein, gefälligst mit anderen Hunden spielen oder perfekt neben deinem Fahrrad an der Leine rennen soll. Aber im Restaurant, bei Freund*innen und in Omas Wohnzimmer darf er bitte nur auf diesem einen Platz liegen und soll gefälligst schlafen. Diese Dinge als selbstverständlich zu erwarten heißt, dem Hund die Verantwortung zu übertragen. Da du jedoch die Verantwortung für ihn trägst, liegt es in deiner Verantwortung eine Umgebung zu schaffen, in der dein Hund diese Dinge leisten kann. Nur eine Kommunikation die er auch versteht, kann ihm dabei helfen ein von dir gewünschtes Verhalten zu zeigen.

Lesetipp: Was du wissen musst, um Verhalten bei deinem Hund zu verändern

Viele Hundetrainer*innen und Hundehalter*innen haben erkannt, dass veraltete Trainingsmethoden zu viele unerwünschte Nebenwirkungen mit sich bringen, die den Trainingserfolg verhindern. Zusätzlich wird die Beziehung zum Hund unnötig aufs Spiel gesetzt, weil Strafen für Stress und Frust auf beiden Seiten sorgen.

Welchen Gewinn bringt dir modernes Hundetraining?

1. Modernes Hundetraining macht dir und deinem Hund Spaß

Positive Verstärkung befriedigt die Bedürfnisse deines Hundes. Sie löst angenehme Emotionen bei ihm aus, begünstigt den Lernprozess und schafft eine Vertrauensbasis. Du fokussierst dich auf die Dinge, die dein Hund schon kann und gemeinsam baut ihr diese Stärken aus.

Lesetipp: 6 Gründe, warum du positive Verstärkung im Training einsetzen musst

2. Du vermeidest die Entstehung neuer Ängste und Aggression

Bestrafung birgt die Gefahr einer Fehlverknüpfung. Durch Schmerz und Schreck entstehen negative Emotionen, die dein Hund mit Lebewesen, Orten, Gerüchen oder Geräuschen verknüpfen kann. So kann es passieren, dass dein Hund durch den Leinenruck zukünftig das Anbellen anderer Hunde unterdrücken kann, aber nun Angst vor Motorrädern hat, weil gerade in dem Moment des Leinenrucks eines vorbeifuhr. Freundliches, modernes Hundetraining schließt diese Gefahr aus. Erfolgt eine Belohnung im falschen Moment, kommst du zwar nicht so schnell an dein Trainingsziel, aber eine unangenehme Erfahrung findet in keinem Fall statt.

Lesetipp: Was jede*r über Strafe im Hundetraining wissen sollte

3. Dein Hund lernt ein Alternativverhalten

Statt zu warten, bis dein Hund etwas falsch macht, um ihn zu bestrafen, zeigst du ihm Lösungswege, die für euch beide angenehmer sind. Wenn er erkannt hat, dass man von beängstigenden Hunden weggehen kann und du ihn dafür lobst, wird er dieses Verhalten öfter zeigen. Ich persönlich genieße die entspannten Spaziergänge mit Ascii und Paco, weil sie andere Hunde, Menschen und Wild anzeigen. Sie bleiben stehen, drehen sich manchmal sogar um und geben mir damit die Zeit zu entscheiden, ob ich sie anleinen möchte. Würden wir sie für die Kontaktaufnahme mit anderen Lebewesen bestrafen, müssten wir ständig das Umfeld abscannen, um zu verhindern, dass sie einfach noch schneller wegflitzen.

4. Dein Hund lernt aktiv

Muss dein Hund Bestrafungen über sich ergehen lassen, weiß er nicht, was er stattdessen machen soll. Durch positive Verstärkung wird er allerdings gern aktiv mit dir arbeiten. Er bietet dir Verhalten an, das du mit Belohnungen verstärken kannst. Da du die Verantwortung für das Training übernimmst und eine angenehme Trainingsumgebung schaffst, kann dein Hund erwünschtes Verhalten schneller und länger zeigen.

Lesetipp: Warum Management so wichtig für deinen Trainingserfolg ist – und wie du es für dich nutzen kannst

5. Du lernst aktiv!

Um deinen Hund zu verstehen, musst du ihn beobachten. Diese Beobachtungen führen dazu, dass du seine Körpersprache besser lesen kannst. Da die Belohnung im richtigen Moment entscheidend ist, verbesserst du dein Timing und deine Wahrnehmung von Momenten, in denen dein Hund ein gewünschtes Verhalten zeigt.

Modernes Training und die Wissenschaft

Modernes Hundetraining wird oft als “wissenschaftlich fundiert” bezeichnet. Allerdings lernt generell jeder Hund nach den Gesetzen der Wissenschaft. Er lernt durch die Konsequenzen seines Verhaltens, was auch immer diese Konsequenzen sein mögen.
Die Gesetze der Wissenschaft gelten für alle Hunde und alle Trainer*innen, nicht nur für moderne Hundetrainer*innen. Dies gilt unabhängig davon, ob die Person, die den Hund erzieht, sich der Wissenschaft bewusst ist, die dahinter steckt, oder nicht.
Veraltete Trainingsmethoden stützen sich nicht auf wissenschaftliche Erkenntnisse, obwohl sie doch den wissenschaftlichen Gesetzen unterliegen.

Natürlich musst du die Grundregeln des Verhaltens nicht verstehen, um einen Hund zu trainieren, genauso wenig wie du physikalische Gesetze verstehen musst, um ein Segelboot zu steuern – aber es hilft ungemein!

Wir sind bessere Trainer*innen für unsere Hunde, wenn wir verstehen, wie diese Gesetze unser Verhalten und das Verhalten unseres Hundes beeinflussen.

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