Frage und Antwort Runde Teil 1

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Auf Facebook und Instagram habe ich euch aufgefordert mir eure Fragen zu schicken. Hier findet ihr jetzt die erste Frage-Antwort-Runde.

 

Alina: 1. Wie merke ich, wann mein Hund genug ausgelastet ist? Jeder Hund hat ja individuelle Wünsche an den Tagesablauf. Wie kann ich also merken, dass das aktuelle Pensum/ Tag richtig für meinen Hund ist und er nicht unter- oder überfordert ist

Leider können wir das nicht pauschal an einem Hund oder einer Beschäftigung sagen. Am Ende des Tages können wir nicht erkennen, ob der Tag jetzt so okay war. Aber du kannst erkennen, ob die Beschäftigung wirklich zu deinem Hund passt. Dafür musst du dir angucken, was dein Hund gern macht, in welchem Umfeld er das gern macht und hält sich auf. Hast du zB einen Hund, der nur seine Nase am liebsten im Wald im Unterholz benutzt und packst den zum Longieren auf einen Hundeplatz mit vielen verschiedenen Hunden, kann es sein, dass das nicht passt. Es kann aber eben auch sein, dass es ihm auch total viel Spaß macht.

 Das heißt, schau einfach, was dein Hund gern macht. Für mich ist sehr wichtig zu gucken, in welchem Umfeld die Beschäftigung stattfindet.

Die Beschäftigung darf einen Hund nicht belasten, sie soll einen Hund entlasten, ihn müde machen und dafür sorgen, dass es ihm gut geht.

Eine Beschäftigung soll den Hund nicht stressen. Findet die Beschäftigung z.B. in einem Umfeld statt, in dem viele andere Hunde auf engem Raum sind, obwohl der Hund gar keine anderen Hunde mag, ist der Preis für diese Beschäftigung einfach zu hoch. 

Findet es dein Hund z.B. draußen gruselig, dann mach so lang Beschäftigungen drinnen, wie es deinem Hund draußen noch nicht so gut geht. Denn alles, was du draußen machst, ist dann Training für deinen Hund. 

Du kannst auch erkennen, dass es deinem Hund mit seiner Beschäftigung gut geht, wenn es ihm im Alltag gut geht und er wenig Baustellen hat. Geht es deinem Hund gut, wird er “nicht aufällig” werden.

Hast du also gar keine Probleme mit deinem Hund, kannst du erstmal davon ausgehen, dass es auch mit den Beschäftigungen passt. 

Zeigt der Hund sich auffällig mit irgendwelchen Verhaltensbaustellen, muss man schauen, ob er mit der Beschäftigung über- oder unterfordert ist.

Das ist allerdings komplett individuell.

Am Wichtigsten ist mir, dass man schaut, in welchem Umfeld die Beschäftigung stattfindet. Meistens ist das Problem nicht die Beschäftigung an sich, sondern das Umfeld, in dem sie stattfindet. Und der Ehrgeiz des Menschen. Will man zu viel zu schnell vom Hund, wird das schnell überfordernd.

Fazit: Beschäftigung sollte kleinschrittig stattfinden und in einem Umfeld, dass für den Hund angenehm ist.

 

2. Wie kann man Übersprungsverhalten vermeiden, bzw. unterbrechen, wenn es zu Übersprungshandlungen kommt?

Im besten Fall unterbricht man Übersprungverhalten gar nicht, weil das extrem frustrierend ist. Wenn man es doch unterbrechen muss, dann bitte nur freundlich und indem man dem Hund ein Alternativverhalten anbietet.

Viel wichtiger ist, dass du erkennst, wann Übersprungverhalten auftritt. Erkennst du es, kannst du vielleicht etwas an der Situation so ändern, dass es nicht auftritt.

Unser Hund Ascii hat am Anfang, wenn wir draußen neue Dinge geübt haben, irgendwann angefangen loszulaufen und Stöcke zu kauen. Also Übersprungverhalten. Wir haben einfach die Zeitdauer, in der wir neue Dinge geübt haben, verkürzt und darauf geachtet, dass wir den Schwierigkeitsgrad erst ganz ganz langsam angepasst auf die aktuelle Tagesform des Hundes gesteigert. Außerdem haben wir das Übersprungverhalten nicht unterbrochen, aber ihm nach der Übungseinheit sofort ein Spielzeug zum Tragen gegeben.

Wenn du dann merkst, dass das Übersprungverhalten weniger wird, weißt du, dass du alles richtig machst. Es gibt hier keinen einheitlichen Weg, sondern du musst schauen, welcher nette Weg zu euch passt. Schau, wie sich das Verhalten deines Hundes über einige Wochen verändert, und ziehe dann Bilanz.

 

Kat: Was kann man tun, damit der Hund nicht bei jedem Türklingeln oder Tür aufschliessen bellt?

Türklingeln und beim Aufschließen bellen sind erstmal zwei unterschiedliche Sachen.  

Wenn er bellt, wenn du nach Hause kommst, kann man nur schwer was machen, weil es schon passiert ist.

Aber generell beim Türklingeln kann man natürlich den Auslöser, also die Türklingel, mit einem anderen Verhalten verknüpfen. Jetzt ist es verknüpft mit Bellen und man könnte es vielleicht verknüpfen mit Such dir ein Spielzeug und trage es. Das muss man bis zum Abwinken üben.

Die einfachste Version wäre aber, dass das Türklingeln mit es fliegen Kekse auf seinen Platz zu verknüpfen. Das sorgt dann dafür, dass die Hunde irgendwann beim Klingeln auf ihren Platz rennen und fragen: “Wo sind meine Kekse? Die fliegen doch sonst auch immer.”

Der erste Schritt wäre also, ohne dass Besuch kommt, zu klingeln und dann Kekse auf den Platz oder in die Höhle zu schmeißen.

Hat dein Hund allerdings ein großes Problem mit den Menschen, die dann nach dem Klingeln die Wohnung betreten, funktioniert es nicht so einfach. Weil der Hund dann weiß, dass jemand kommt und wenn er Angst vor Menschen hat oder das einfach nicht mag oder aggressiv reagiert, wird es ihm egal sein, was du ihm zu essen hin wirfst. Für deinen Hund geht es in dem Moment um seine Sicherheit oder die der Wohnung und da muss er natürlich aufpassen.

Da musst du parallel, besser noch vorher, an dem Thema Mensch arbeiten. Denn sonst kann er in dem Moment gar kein Futter nehmen und du kannst den ersten Schritt nicht machen.

Funktioniert es dann, dass der Hund beim Auslöser der Türklingel auf seinen Platz geht, kannst du ihm zeigen, dass er das richtig gemacht hat und die Zeit, in der er auf seinem Platz wartet, ganz langsam ausbauen.

Beim Türaufschließen, wenn du nach Hause kommst, kann man natürlich auch das Geräusch des Schlüssels trainieren und mit etwas anderem verknüpfen und sollte das auch. Auch wenn der Hund vielleicht noch gar nicht bellt, wenn du nur den Schlüssel drehst. Und wenn du dann nach Hause kommst, würde ich den Hund ansprechen und ihm eine Alternative bieten, die er mag. Sowas wie sich ein Spielzeug zu holen, zu dir zu kommen und sich hinzusetzen. Oder du bringst ihm was bei, was er dann tun soll. All das ist mit vielen vielen Wiederholungen verbunden.

Ganz wichtig ist, dass ihr die einzelnen Schritte – Türklingel, Tür aufschließen, du kommst rein, Besuch kommt in die Wohnung – einzeln üben müsst. Wenn ihr euch das in diese kleinen Schritte runterbrecht, wird das für den Hund viel viel leichter.

 

Michaela: Mein Hund lässt keine Fremden ins Haus, bellt aggressiv und versucht den Eindringling zu verjagen. Ich habe Angst, dass sie mal jemanden beißt. Ich hab schon vieles (mit Trainer ) ausprobiert- doch nichts hilft. 

Wir hatten ja gerade das Thema mit der Türklingel, das solltest du auf jeden Fall auch trainieren, denn damit kündigt sich der*die Fremde an. Hast du das gut trainiert, geht schonmal die Erregung deines Hundes nicht ganz so durch die Decke.

Dann solltest du gezielt drauf schauen: Lässt sie wirklich nur keine Fremden ins Haus oder findet sie auch Menschen außerhalb des Hauses schwierig? Vielleicht bellt sie draußen nicht, zeigt aber Meideverhalten. Da musst du schauen, ob das nicht generell ein Thema ist.

Es ist wichtig, dass du genau hinschaust, weil es draußen oft kein Problem ist und unter der Oberfläche passiert. Oft wird das übersehen, weil er sich draußen nicht so viel traut. Deshalb musst du dort anfangen zu trainieren.

Hier solltest du anfangen zu trainieren, denn es ist viel leichter draußen damit anzufangen. Hier kannst du erstmal üben, wie das funktioniert, dein Hund wird damit vertraut und ihr bekommt beide mehr Sicherheit für die Wohnung.

Das Wichtige ist hier, dass wir Traininsmethoden nicht anfangen können zu benutzen in Situationen, die eh in die Hose gehen. Im Haus ist es leider so, dass es sehr schnell in die Hose geht. Es ist sehr eng, es passiert alles ganz plötzlich, dann ist man als Mensch meistens unter Druck gesetzt.

 Es gibt von mir ein Webinar zu diesem Thema  „Bitte recht freundlich!“ – Aggression beim Hund gegenüber Menschen verändern.

Und ich habe dazu einen Blogartikel geschrieben:

Lesetipp: Wie du das Aggressionsverhalten deines Hundes veränderst

 Du musst die Emotionen deines Hundes gegenüber Menschen ändern und ihm beibringen, wie er sich verhalten kann, wenn ihm etwas unangenehm ist.

Bei unserem Schäferhund ist das zB dass er sich in seinen Gitterkennel zurückzieht und dort hat er gelernt, dass dort niemand zu ihm rankommt. Mittlerweile findet er Menschen, die in die Wohnung kommen gut, weil er gelernt hat, dass die immer nett zu ihm sind.

Du musst also an diesen zwei Ebenen arbeiten. Auf gar keinen Fall darf der Hund gehemmt, bestraft oder erschreckt werden. Da deckelst du nur das Thema und das wird dazu führen, dass dein Hund schneller zubeißen wird, weil es ihm immer schlechter geht, er immer gestresster und unberechenbar wird.

Ich kann dir gern eine Trainer*in aus deinem Umfeld empfehlen, schick mir dazu einfach eine Nachricht bei Facebook oder eine E-Mail.

 

Lia: 1. Wie entscheidet ein Hund, ob er oder sie den fremden Hund mag oder nicht?

Das entscheidet er sicherlich durch Sympathie oder das Auftreten des anderen Hundes.

Die Frage ist aber eher, welche Faktoren führen dazu, dass mein Hund bei diesem anderen fremden Hund sich doof verhält und welche Faktoren führen andersrum dazu, dass er mit dem anderen Hund spielt oder gemeinsam die Umgebung entdeckt.

Die Beantwortung dieser Frage für dich wird dir viel mehr helfen, denn die kannst du auch leichter beantworten als die Frage, bei der wir in den Kopf des Hundes schauen müssten 😉

Es sind Faktoren wie:

  • die Gesundheit deines Hundes
  • das Stresslevel deines Hundes
  • die Erwartung, die dein Hund an die Situation hat
  • die Erfahrungen, die er gemacht hat
  • die Frustration
  • was machst du in diesem Moment
  • usw.

Das kannst du besser beurteilen als die Sympathie deines Hundes gegenüber dem anderen Hund.

 Das heißt, schau dir an wie es deinem Hund in einem Moment geht. Beobachte ihn, was er macht. z.B. nimmst du deinem Hund ein Spielzeug weg und den nächsten Hund, den ihr trefft, findet er richtig blöd. Das liegt dann aber nicht an dem anderen Hund, sondern daran dass er gerade frustriert war, weil ihr das Spiel abgebrochen habt.

 Beobachte deinen Hund. Du greifst natürlich ein, wenn es nötig ist, unterstützt ihn, indem du ihn z.B. abrufst. Je mehr du deinen Hund beobachtest, desto besser wirst du die Reaktion deines Hundes einschätzen können.

Lesetipp: Was du beachten musst, um das Verhalten deines Hundes zu verändern

 

2. Was kann ich machen, wenn mein Hund immer anfängt zu kläffen, wenn er meine Nachbarin die er nicht leiden (ich auch nicht) kann (er hat sie auch schon mal angegriffen) hört oder sieht?

Du kannst daran genauso trainieren. Erstmal musst du ihn freundlich unterbrechen. Und wenn er dann wieder hinschaut oder hinhorcht, belohnst du deinen Hund dafür, dass er noch nicht bellt. Es ist wichtig, dass du ihn freundlich unterbrichst und es nicht einfach ablaufen lässt und dann mit ihm etwas anderes machst. Merkst du dann, dass er wieder hinschaut oder hinhorcht, belohnst du ihn dafür, dass er noch die Klappe hält.

 

3. Wie kann man bei einem Angsthund effektiv das Stresslevel senken?

Das Einfachste ist, dass du Stressoren und stressige Situationen erkennst und sie vermeidest.  

Schau dir an, welche stressigen Situationen du nicht meiden kannst und welche völlig unnötig sind.

 Z.B. haben sich meine Leute aus dem Geräuschangstkurs, den wir jetzt hatten, genau das angeschaut. Solche Sachen wie die Routinekontrolle bei der Tierärzt*in, wenn der Hund das richtig doof findet. 

Schau dir an, wo er sich gut fühlt und was er gern macht. Schafft man es, alles zu vermeiden, was den Hund stresst, geht es dem Hund natürlich erstmal viel besser.

Dann kannst du im Anschluss in ganz kleinen Schritten die Situationen trainieren, die schwierig für ihn sind. Aber es gibt so viele Sachen, die wir vermeiden können. Genauso ist es bei uns Menschen.

Das ist wichtig, denn je öfter dein Hund gestresst ist, desto schneller kommt er in den Bereich des Dauerstresses und das geht dann an die Gesundheit.

Lesetipp: 3 Dinge, an denen du Stress bei deinem Hund erkennst

Webinartipp: Webinar Stress bei Hunden

 

Anni: Gibt es einen Geheimtrick um einen Hund aus einer erregten Stimmung schnell wieder zu beruhigen?

Einen Geheimtrick gibt es leider gar nicht, also zumindest keiner, der für alle Hunde gleich funktioniert.

Ein Geheimtrick könnte aber das Entspannungssignal und etwas, das du von deinem Hund abfragen kannst, sein.

Hier findest du den Aufbau und die Funktion von Entspannungssignalen:

Lesetipp: Wie du Entspannungssignale bei deinem Hund aufbauen kannst

Ein Entspannungssignal führt dazu, dass der Schalter im Gehirn des Hundes vom reaktiven Teil zurück in den denkenden Teil gekippt wird. Der Hund wird ansprechbarer. Dann muss man aber etwas abfragen, was er gut kann, positiv aufgebaut ist und er gut kann. So kommt man erstmal aus der Situation raus.

Such dir ein Verhalten, das deinem Hund gut tut in dieser Situation. Außerdem würde ich vieles von dem Verhalten mit dem Markersignal verstärken, bei dem du sagst, dass du das in der Situation für eine gute Idee von Jimmy hältst.

Fazit: Entspannungssignal und Alternativverhalten 🙂

 

Cave: Wie würdest du mit Hunden umgehen/trainieren, die sich zeitweise aufgrund von Stress, Hormonen (Läufigkeit/ Scheinträchtigkeit) oder Alter (Pubertät) nicht konzentrieren können bzw. Super wenig Impulskontrolle haben?

Erstmal würde ich schauen, welche Situationen dem Hund Mühe machen und viele Situationen vermeiden, die gerade gar nicht nötig sind.

Bei einer Läufigkeit würde ich zB sagen, wir machen jetzt ganz wenig, keine neuen Sachen, ersparen uns den Stress und machen nur schöne Dinge.

 Bei einer Scheinträchtigkeit würde ich, je nachdem wie lang sie dauert, ein paar Wochen ebenfalls ein ruhiges Programm fahren und wenig Situationen aufsuchen, die stressig und unnötig sind.

Bei der Pubertät bzw. der Adoleszenz würde ich das Training so gestalten, dass ich nur die wirklich wichtigen Dinge mache und dass der Hund dabei nur gute Lernerfahrungen macht. Ich würde mir den Hund einfach ansehen und jeden Tag schauen, wie seine Tagesform ist und davon abhängig machen, was heute geht. Im besten Fall ist der Hund in der Jugendentwicklung nämlich nicht jeden Tag out of order.

Das finde ich generell sehr wichtig beim Training: Schaut euch euren Hund jeden Tag an und entscheidet, was heute geht. So kommt ihr schneller zum Erfolg, wenn ihr euren Hund nicht überlastet oder die Situationen

 Bei wenig Impulskontrolle ist es wichtig, dass Impulskontrolle belohnt wird und nicht zu oft in unnötigen Situationen abgefragt wird.

Dazu findest du hier mehr Informationen:

 Lesetipp: 3 Dinge, die du über Impulskontrolle beim Hund wissen solltest

Lesetipp: So kannst du Impulskontrolle bei deinem Hund aufbauen

Das Problem ist, wenn er gestresst ist, kann Impulskontrolle nicht so gut funktionieren, weil der präfrontale Kortex das gar nicht leisten kann.

Wenn du das weißt, kannst du viel entspannter in die Situation reingehen, weil du weißt, was du von deinem Hund verlangen kannst.

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