Fünf Fehler, die dich die Bindung zu deinem Hund kosten

Früher wurde mir gesagt, dass ich meinem Hund nur mal richtig zeigen muss, “wo es lang geht”, um ein erfolgreiches Miteinander zu schaffen. Schnell stellte ich fest, dass Bindung nicht einfach so da ist, nur weil ich die Chefin bin oder weil wir zusammen leben. Ich selbst habe in der Hand, wie ich das Leben mit meinem Hund gestalten möchte. Ärgere dich nicht, wenn die Bindung mit deinem Hund noch nicht so ist, wie du es dir wünschst, sondern erlaube euch beiden Neues zu lernen und gemeinsam zu wachsen.

Um eine gute Bindung zu deinem Hund aufzubauen, solltest du nicht nur bestimmte Dinge tun, sondern einige Dinge auch lieber vermeiden. Die folgenden Fehler hast du mit Sicherheit schon bei anderen Hundehalter*innen beobachten können oder bist du vielleicht selbst in diese Fallen getappt?

1. Fehler: “Wir machen alles zusammen!”

Es gibt Hunde, die stressfrei Restaurantbesuche, Shopping Trips und Gartenpartys mitmachen können. Sie zeigen keine Anzeichen von Angst oder Aggression und lassen sich vielleicht sogar von kreischenden Kindern nicht aus der Ruhe bringen. Allerdings sind solche Hunde nicht die Norm. Wenn du dich mit deinem Hund in einer lauten, hektischen oder gedrängten Umgebung befindest und glaubst, dass das schon ok ist, beobachte seine Körpersprache genau. Kommt er zur Ruhe oder scannt er dauerhaft die Umgebung ab? Legt er auch mal den Kopf ab oder ist der Körper ständig angespannt?

Dein Hund braucht Phasen der Ruhe.

Der Körper und der Kopf deines Hundes brauchen Ruhe – und zwar je nach Alter und individuellem Hund bis zu 20 Stunden am Tag. Während dein Hund döst und schläft, entspannt sich der Körper und die Erfahrungen der Wachphase werden verarbeitet. Bekommt dein Hund keine Ruhe und Entspannung, sorgt dieses dauerhaft erhöhte Erregungslevel für Stress und mindert die Impulskontrolle. Wenn dein Hund normalerweise den bellenden Nachbarshund ignoriert, kann es nach einer Phase ohne ausreichend Ruhe passieren, dass er den Nachbarshund doch anbellt, weil Stress immer zu reaktivem Verhalten führt und gleichzeitig die Selbstkontrolle schlechter wird. Dein Hund wird erlerntes Verhalten wie Leinenführigkeit, Sitz oder Aufmerksamkeit in deine Richtung nicht mehr zeigen können.

Lesetipp: 3 Dinge, die du über Impulskontrolle beim Hund wissen solltest

Was du tun kannst:

Schaffe bewusst räumliche und zeitliche Ruhezeiten für deinen Hund. Wenn er dies noch nicht gewöhnt ist, wird er nicht von heute auf morgen davon Gebrauch machen können. Gib ihm Zeit und hilf ihm bei der Umsetzung.

Ruheoptionen zu schaffen und Hintergrundstress im Leben deines Hundes zu minimieren, sind die Schlüssel zu mehr Entspannung und einer besseren Impulskontrolle. Das kann auch bedeuten, dass dein Hund nicht überall mit hin muss, wenn er keinen Trennungsstress hat und sich zuhause in der Zeit besser entspannen könnte.

Mehr Ruhe für Zuhause!

Eine Komfortzone in der Wohnung bietet einen Rückzugsort, der im Training bei Ängsten (Geräuschangst), Trennungsstress und Problemen mit Besucher*innen Gold wert ist. Vielleicht hat dein Hund bereits einen Lieblingsplatz, den du in eine Komfortzone umwandeln kannst. Um diesen Ort mit Entspannung zu verknüpfen, solltest du deinem Hund dort Gutes tun, um das Erregungslevel zu senken und vor allem Entspannung auslösen.

Die Komfortzone sollte deinem Hund Schutz und Rückzug bieten und ihn gleichzeitig an eurem Leben teilhaben lassen. Außerdem hat jeder Hund individuelle Vorlieben, die du am besten kennst. Die Komfortzonen von Ascii und Paco (Ullis Hunde) befinden sich im Wohnzimmer an Stellen, an denen wir nicht ständig vorbeilaufen. Trotzdem können sie von dort aus noch hören und teilweise sehen, was in der Wohnung sonst so los ist. Sie wollen nämlich nichts verpassen.

Mehr Ruhe für unterwegs!

Eine weitere Ruheoption kannst du deinem Hund in Form einer Ruheinsel auf dem Spaziergang bieten. Auf eurer großen Spazierrunde kannst du einen Ort auswählen, an dem ihr jedes Mal eine kleine Pause macht. Finde heraus, was deinen Hund und auch dich draußen entspannen kann. Ihr könntet euch an einer Bank ausruhen und kuscheln, dein Hund könnte sein Lieblingsspielzeug bearbeiten oder ihr beobachtet oder erkundet an dieser Stelle einfach die Umwelt.

Lesetipp: Meine 3 Tipps für mehr Entspannung bei deinem Hund

 

2.  Fehler: “Das regeln die schon unter sich!”

Wenn dein Hund Profi in der Hundekommunikation ist und gute Entscheidungen im Hundekontakt trifft, kann er viele Situationen selbst regeln. Er kann zum Beispiel in einer Hundebegegnung freundlich auf den anderen Hund zugehen ohne den anderen anzustarren und ohne den anderen stürmisch zu überrumpeln. Dein Hund ist ein Profi, wenn er weiß, wann es ihm zu viel wird und wann er sich zurück ziehen oder zu dir kommen sollte. Profi zu sein setzt allerdings voraus, dass dein Hund dieses Verhalten gelernt hat und durch positive Lernerfahrungen immer wieder erfährt, dass gute Entscheidungen sich lohnen. Damit dein Hund sich wie ein Profi verhält statt aggressiv zu reagieren, solltest du ihm Möglichkeiten und Erfahrungen verschaffen, in denen er das lernen kann.

Was du tun kannst:

Möchte dein Hund aus Angst den Abstand zu einem anderen Hund vergrößern, hat er verschiedene Möglichkeiten, um sein Ziel mehr Abstand zum anderen Hund zu erreichen. Er könnte nach dem anderen Hund schnappen und dieser würde dann vielleicht Abstand nehmen. Er könnte aber auch zur Seite oder einfach mit dir gemeinsam weitergehen. Dir ist sicher die zweite Variante lieber. Um die Sicherheit aller beteiligten Hunde und Menschen zu gewährleisten, liegt es in deiner Verantwortung, deinem Hund ein Alternativverhalten zu zeigen und kleinschrittig aufzubauen. So kann er lernen, dass er den Abstand auch selbst durch Abwenden erreichen kann, statt zu bellen oder zu schnappen.

Lerne deinen Hund zu lesen!

Lassen wir Hunde etwas unter sich regeln, besteht immer das Risiko, dass negative Lernerfahrungen für noch mehr Spannung und schnelleres Eskalieren in zukünftigen Hundebegegnungen sorgen. Besonders wenn dein Hund noch kein Profi im Hundekontakt ist. Deshalb: Lerne die Körpersprache deines Hundes und anderer Hunde zu lesen, um bei einer Hundebegegnung frühzeitig das Ausdrucksverhalten lesen können, um deinen Hund freundlich unterbrechen zu können. Du fragst dich jetzt, wie du deinen Hund aus einer solchen Situation abrufen sollst, weil er sich bestimmt nicht einfach abwenden kann? Oft hilft in diesem Moment schon das ruhige stimmliche Lob oder das frühzeitige Ansprechen der Hunde, um eine Eskalation zu vermeiden.

Lesetipp: Warum du die Körpersprache deines Hundes verstehen musst

In unserem Onlineprogramm “Wie dein Hund zu deinem besten Freund wird” beschäftigen wir uns intensiv mit den Themen Unterstützung und Schutz. Um dies leisten zu können, zeigen wir dir hier genau, wie du die Körpersprache deines Hundes besser lesen lernst und wie du Verhalten bei deinem Hund unterbrichst ohne ihn zu erschrecken.

 

3. Fehler: “Mein Hund muss akzeptieren, dass ich der Boss bin!”

Du bist der Boss. Du entscheidest ALLES im Leben deines Hundes: Wann ihr aufsteht, wann ihr rausgeht, wo ihr spazieren geht, was und wann er isst und vieles mehr. Allerdings verhindert das nicht, dass dein Hund eigene Entscheidungen nach seinen Bedürfnissen trifft. Dem fliehenden Reh hinterherlaufen oder lieber auf deinen Rückruf reagieren? Eine vermeintliche Rangordnung sorgt nicht dafür, dass dein Hund sich immer für dich entscheidet. Stattdessen entscheidet sich dein Hund nach seinen Erfahrungen, seinen aktuellen Bedürfnissen und auch die emotionale Verfassung hat immer Einfluss auf deinen Hund. Dein Hund wird die Entscheidung treffen, die auch in der Vergangenheit zu der Befriedigung seiner Bedürfnisse geführt hat. Fragwürdige Unterordnungsrituale führen zu Angst und Stress und sorgen eher dafür, dass dein Hund schneller handelt, um der Strafe zu entkommen. Im Falle des fliehenden Rehs, wäre er dann innerhalb von einer Millisekunde im Wald verschwunden. Vor allem wenn du ihn gerade nicht beobachtest.

Was du tun kannst:

Erkenne die Bedürfnisse deines Hundes! Was tut er häufig und gern? Dazu gehören auch Dinge, von denen du deinen Hund immer wieder abrufen musst. Du solltest mehr als 10 Bedürfnisse deines Hundes aufschreiben können und diese Liste alle paar Monate aktualisieren. Sie bietet dir die Grundlage, das Verhalten deines Hundes besser zu verstehen. Und du kannst die Bedürfnisse als Belohnungen nutzen und weißt welche großen Ablenkungen im Training auf euch warten. Dein Hund ist täglich mit den Herausforderungen dieser Welt konfrontiert. Sei ihm eine einfühlsame Freund*in und kein kalter Boss.

Lesetipp: 5 Gründe, warum immer mehr Trainer*innen modernes Hundetraining bevorzugen und wie du davon profitieren kannst

 

4. Fehler: “Sie ist eben eine kleine Zicke!”

Schubladen wie diese bringen dich im Alltag mit deinem Hund kein Stück voran. Sicherlich ist es wichtig, die Grenzen deines Hundes zu kennen und zu akzeptieren. Wenn er immer wieder andere Hunde anknurrt, solltest du deinen Hund nicht als Zicke auf Lebenszeit abstempeln. Hundebegegnungen dieser Art müssen nicht weiter so ablaufen.

Hinterfrage stattdessen, warum dein Hund etwas tut. Empfindet er Hundekontakt schnell als zu viel? Dann liegt es in deiner Verantwortung diesen Situationen vorzubeugen, deinen Hund währenddessen zu unterstützen und gute Entscheidungen zu ermöglichen.

Was du tun kannst:

Erkenne die Bedürfnisse hinter dem Verhalten. Wenn dein Hund im Hundekontakt oft angespannt ist, muss er vielleicht nicht jeden Hund kennenlernen. Wenn er das Getätschel fremder Menschen nur über sich ergehen lässt, darfst du diesen Menschen auch sagen, dass er nicht gestreichelt werden möchte. Stärke die Bindung, indem du die Bedürfnisse deines Hundes ernst nimmst und dementsprechend vorbeugst und unterstützt. Du selbst kannst entscheiden, was für dich im Alltag wichtig ist. So kannst du das Verhalten trainieren, was du dir wünschst. Dein Hund muss keine Zicke sein. Du wünschst dir entspannten Hundekontakt? Dann schaffe positive Lernerfahrungen und erspare euch beiden die negativen!

Lesetipp: Das muss mein Hund aber können!

5. Fehler: “Sie weiß ganz genau, was ich meine”

Das mit der Gedankenübertragung scheint bisher noch niemand erfolgreich umgesetzt zu haben. Deshalb teilen Menschen ihre Gedanken und Wünsche über verbale und nonverbale Kommunikation mit. Die menschliche Sprache ist für deinen Hund eine Fremdsprache und die Körpersprache der Hunde ist für uns Menschen eine. Wenn dein Hund nicht weiß, was du mit einem Kommando von ihm willst, gerät er vielleicht in Angst, Stress oder Frust. Diese Emotionen werden nicht besser, wenn du das Signal oder Kommando lauter und eindringlicher wiederholst. Eure Bindung leidet unter dieser unklaren Kommunikation. Und deine Nerven auch.

“Die Art, wie wir mit anderen und uns selbst kommunizieren, bestimmt letztendlich die Qualität unseres Lebens.” Anthony Robbins

Was du tun kannst:

Schaffe eine gemeinsame Sprache durch eine eindeutige Kommunikation, die ihr beide verstehen und nutzen könnt. Das positive Markersignal bietet dir die Möglichkeit, erwünschtes Verhalten bei deinem Hund einzufangen und punktgenau zu belohnen – nicht nur im Tricktraining, sondern auch im Alltag.

Lesetipp: Der Grund, warum du mit Markersignalen besser trainierst

Versteht dein Hund deine Signale?

Immer dann, wenn du etwas von deinem Hund erwartest, solltest du dich vorher fragen, ob es für in eindeutig ist und ob es ihm in diesem Moment möglich ist, das Verhalten zu zeigen. Mitten im Spiel mit anderen Hunden abgerufen zu werden, ist deinem Hund nur dann möglich, wenn der Rückruf kleinschrittig aufgebaut wurde.

Du möchtest am liebsten sofort an der Bindung zu deinem Hund arbeiten?

Im Onlineprogramm “Wie dein Hund zu deinem besten Freund wird” optimieren wir die Kommunikation zwischen dir und deinem Hund. Denn das ist der Grundstein für eine gute Bindung. Deshalb wirst du in jedem Modul deinen Hund noch besser kennen und verstehen lernen. Und du wirst lernen, worauf es im Training und Alltag mit deinem Hund ankommt. Denn eine gute Bindung und Beziehung zwischen dir und deinem Hund braucht nicht viel, wenn du weißt, was dafür notwendig ist. Dabei wollen wir dich 10 Wochen unterstützen und gemeinsam mit dir Schritt für Schritt daran arbeiten.

Wir sind überzeugt davon, dass ein freundlicher Umgang mit dem Hund der Schlüssel zu einer großartigen Bindung ist. Wir wissen aber auch, dass du Anleitungen brauchst, um deinen Hund zu trainieren und um zu wissen, wie du reagierst bei der nächsten Hundebegegnung oder wenn dein Hund Mist baut. Wenn du deinen Hund unterstützen, eine tolle Zeit mit ihm verbringen und trotzdem auch im Training etwas mit ihm erreichen willst, dann bist du perfekt für unsere Gruppe, mit der wir am 01. Oktober loslegen.

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